20
Dez
09

Erexx – Vollholzbike

Vor langer langer Zeit war auf diesem Blog bereits einmal auf ein Rad komplett aus Holz aufmerksam gemacht worden. Das All-Wood-Bike ist bereits anfang 2008 in den USA fertiggestellt worden, in bei uns hat das der klassische Weg der Wette zu einem noch beeindruckenderen Werk geführt. Danke an dieser Stelle an erexx, der so freundlich den Artikel zu seinem Bike auch hier zu veröffentlichen.

mfg

RBT

und damit hat dann der Erbauer das Wort:

Hallo

Also, da mehrfach darum gebeten wurde, habe ich mir endlich die Zeit genommen, meinen Thread Verrückteste Idee im Forum!? zusammenzufassen.
Der Auslöser für den Thread war eine Wette zwischen meinem Freund und mir. Zum damaligen Zeitpunkt, vor ca 2 Jahren, war ich 16 Jahre alt und (wie jetzt noch immer) Schüler an einem Gymnasium.
Ich habe keinerlei Ausbildung in Sachen Schreinerei, jedoch etwas eigene Erfahrung in der väterlichen Schreinerei gesammelt. Der Wetteinsatz war der symbolische Betrag von 1 Euro.
Die Wette war, ob es mir möglich sein wird, ein Fahrrad zu bauen, welches fast ausschließlich aus Holz bestehen würde. Es war mir nur erlaubt Leim und Lack zu verwenden,
sowie eventuell Seife (oder Fett) zur Schmierung, jedoch keinerlei anderen “festen Materialien” wie Schrauben, Nägel, Metallkette ect.

Angefangen habe ich mit dem Rahmen, welcher aus Stangen, die aus Kiefernholz waren, gemacht wurde.
Das Sattelrohr und das Oberrohr waren rund, während das Unterrohr einen ovalen Querschnitt hatte. Das Steuerrohr, welches auch wirklich ein Rohr sein musste,
ist aus einem Buchenholzblock gefertigt und wurde durch viele darum laminierte Schichten mit dem Rahmen verbunden. Der Hinterbau wurde einfach aus 25mm starken Vielschichtplatten gesägt.

Da die Wette beinhaltete, dass das Mountainbike auch eine Federgabel haben musste, war es nötig eine solche zu konstruieren. Die Standrohre sind, als einfache Rundstangen, aus Esche gearbeitet,
welche unten eine leichte Verbreiterung haben, die als Kolben dienen sollte. Die Tachrohre wurden aus zwei miteinander verleimten Halbrohrprofilen gefertigt, die über eine Brücke aus Vielschichtplatten
verbunden wurden. Die Federung bestand darin, dass die Tauchrohre unten ein Rückschlagventil haben. Wurde die Gabel eingefedert, so konnte die Luft im Inneren der Tauchrohre über das Ventil ungebremst nach außen, beim Ausfedern schloss sich das Ventil jedoch, wodurch sich ein leichter Unterdruck aufbauen sollte, der das Ausfedern dämpfte. Das Hinausdrücken sollte ein Bügel aus Schichtverleimten Eschebrettern übernehmen,welcher allerdings erst später konstruiert wurde.

Der Lenker wurde einfach erst aus einer Eschestange gedrechselt und dann mit Hilfe von Wasserdampf gebogen.

Einfache Versuche haben ergeben, dass eine Kette aus Holz den Belastungen wohl nicht standhalten würde, weshalb es klar war, dass der Antrieb aus 3 Zahnrädern bestehen sollte.
Die Zahnräder selbst wurden einfach nach Schablone aus Vielschichtplatten gesägt in welche dann ein “Gleitlager” eingeleimt wurde. Das es offensichtlich war, dass die Lager hohen Belastungen Standhalten mussten, sind alle Lager sehr groß (Durchmesser Achse Pedallager 80mm). Da wegen der sehr kleinen Übersetzung ein Freilauf nötig war, wurde das hintere Zahnrad nicht selbst auf der Achse gelagert. Auf der hinteren Achse befindent sich der Freilauf, welcher ein “Innenzahnrad”, das auf das Zahnrad geleimt wurde, mitnimmt.

Die Lenkergriffe und der Sattel wurden optisch ansprechend aus Mohreiche und Ahorn gefertigt. Der Sattel ist außerdem in 4 Stufen höhenverstellbar.

Die Bremse wollte ich erst direkt an der unteren Schwinge befestigen, was jedoch missglückte. Dann wurde die Bremse an der oberen Schwinge befestigt. Ein “Bremsbelag” war fest mit der Schwinge verbunden, der andere wurde durch ein Rückwertstreten der Kurbel gegen die Felge gedrückt. Dies war durch eine Art “umgedrehten Freilauf” an der Kurbel möglich, der über eine Stange dem Hebel ansteuerte,
welcher den Belag nach vorne schob (siehe Bilder).

Danach wurde wie bereits erwähnt noch die Blattfeder für die Gabel konstruiert und eine Kurbel mit Pedalen angebaut und somit war das Bike bis auf das Finish fertig.

Das Bike wurde selbstverständlich nur klar lackiert, da man die Holzarten erkennen sollte.

Daten des Bikes:
Gewicht: 18,7kg
Länge:191cm
Höhe:118cm (am Lenker)
Federweg: (echte) 70mm
Radstand: 117cm

Die Fahrt auf die erwähnte Alm steht leider noch immer aus, wird aber hoffentlich im nächsten Frühling stattfinden.
Das Fahrgefühl ist natürlich nicht mit dem eines richtigen Bikes vergleichbar, jedoch ist es auch ohne Übung, möglich, zumindest einige Meter, zu fahren.
Auch wenn die Fahrt vielleicht scheitern wird, brachte das Projekt sehr viel Spaß und auch einiges an Erfahrung ein.
Weitere Bilder sind in meinen Alben.
Kommentare, Fragen und konstruktive Kritik würden mich freuen.

Anmerkung:
Der Thread umfasst mittlerweile über 42 Seiten, von denen leider bestimmt die Hälfte nur kTwR-Gespame ist; dennoch wurde mir auch sehr viel geholfen, wofür ich mich nochmals ausdrücklich bedanken möchte!!

Anmerkung der Redaktion:

Das Gespamme des wilden Haufens im MTB-forum liest sich jedoch recht kurzweilig, polemisiert wird da ja viel und gerne. Wer etwas heute noch nicht weiß in welcher zeitfressenden Sackgasse des Internets er heute versacken möchte, dem sei auch der komplette Bericht da ans Herz gelegt!

Dank auch an “debauer”, der mich damals überhaupt erst auf den Tröt da aufmerksam gemacht hat! (zufrieden?)

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7 Responses to “Erexx – Vollholzbike”


  1. Dezember 20, 2009 um 1:49 nachmittags

    hättest meinen namen auch erwähnen dürfen :)
    erst vor ner woche kam mir das bike wieder in den Sinn hatte dann aber keine lust das MTB-News forum wieder zu durchsuchen.

    einfach genial :)

  2. 2 twentytwo
    Dezember 21, 2009 um 10:46 vormittags

    Gratulation,
    sehr schön lohnt sich absolut das hier zu posten.
    Echt super und sehr kreativ gelöst.
    Meine hochachtung auch für die ausdauer !

    Endlich mal einer der seiner ehre wegen keine kosten und mühen scheut !
    Aber mal ganz erlich zu dem euro kommt hoffentlich nochn kasten bier dazu oder ?!

    Mfg 22

  3. 3 anonymus
    Dezember 21, 2009 um 6:30 nachmittags

    möchte als 82jähriger “Grufti” meine Hochachtung vor der persönlichen Leistung
    ausdrücken- als “Nichthandwerker” kann ich dennoch das Werturteil abgeben:
    einfach Klasse! Besonders freue ich mich aber über eure Aktivitäten und wünsche
    mir mehr davon- vor allem aber, das so etwas bekannter wird, damit dem
    allgenmein negativen Vorurteil über unsere Jugend entgegen gewirkt wird!
    Übrigens, was kTwR-Gespame ist weiß ich nicht. Wenn meine Antwort dazuzählen sollte:
    ab in der Papierkorb.
    mfg anonymos

  4. Dezember 23, 2009 um 11:27 vormittags

    Achja, die “Jugend” .. Wie gern doch alle über einen Haufen geworfen werden .. Ich meine das “Deutsche Volk” ist ja immernoch faschistisch und so … Wie ich es hasse :rolleyes:

    Die Kettenlösung per Zahnrad ist ja einfach mal genial :)

    Was mich noch interessieren würde wäre, wie du bremsen tust? Musst du da irgendwie immer runtergreifen und was zudrücken? (Ich meine vorne, hinten ist es klar!)

    Zum Gespamme: Was willst du im MTB Forum mit so einer coolen Idee?
    Die diskutieren doch eh immer noch ob Shimano mit oder ohne 2g Kohlefaserabdeckung besser ist oder nicht .. Und die Gewichtsersparnis von 2g .. Oh, die will ich mal garnicht erwähnen .. Seitdem geht der Speck mit Leichtigkeit über den Berg!

  5. 5 rbt
    Dezember 31, 2009 um 7:49 vormittags

    @ anonymus

    KTWR – Das steht für “Kein Thema Wenig Regeln”. Ein eigener Offtopic Bereich im Offtopic. Normalerweise wird in Foren streng darauf geachtet, dass man beim Thema der jeweiligen Ausgangsfrage bleibt (ontopic) und das sich die Leute dort nicht hemmungslos beschimpfen (was noch tolerierbar ist hängt von der jeweiligen Forenkultur ab). Im KWTR gilt weder das eine noch das andere. Die Ausgangsfrage ist idr irrelevant und wird nur als Aufhänger genutzt um andere Teilnehmer durchaus auch unterhalb der Gürtellinie persönlich anzugreifen. Kann man mögen, muss man aber nicht… immerhin tobt sich der Mob dann da aus …
    Der etwas rauhere Umgangston scheint aber ein generelles Merkmal der Radfahrforen zu sein.

    @ all

    Ja, dass die jeweils nachfolgende Generation immmer “schlimmer, degenerierter, disziplinloser, versoffener, dümmer, fauler” und was sonst noch alles ist, wird ja schon bei den alten Griechen festgestellt (aka “früher war alles besser”). Da wir seit dem nicht in die Höhlen zurückgekehrt sind, muss man wohl davon ausgehen, dass es gar nicht so schlimm ist wie gemeinhin angenommen. Jede Generation brauch halt ihr Feindbild und wenns die nächste ist;).

    @einball

    gebreamst wird mit rücktritt. ist zwar so auch nicht ganz StVO konfrorm, da der Gesetzgeber 2 unabhängig voneinander funktionierende Verzögerungseinrichtungen vorschreibt, aber macht das ganze technisch nicht weniger beeindruckend. bin mal gespannt ob das hält, eigentlich müsste ja auch der Starrgang als Bremse taugen (siehe fixed gear)
    Weightweenies gibts dch überall. da werden eigene Unzulänglichkeiten wohl gerne mal aufs Rad projiziert, da kann man das Problem wenigstens mit der Brieftasche und muss keine Disziplin halten.

  6. März 9, 2010 um 12:52 nachmittags

    Wahnsinn! Respekt vor solche einer Leistung. Ich würde mir sowas nicht zutrauen, obwohl ich handwerklich nicht ganz unbegabt bin. Es sieht nicht danach aus, als wäre es das bequemste und leistungsfähigste Rad der Welt, aber es taugt sicher zum fahren und sieht dazu noch klasse aus. :)


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