12
Dez
08

How-To’s = Kreativitätskiller?

Irgendwie scheinen sich in letzter Zeit die Klagen über die Mainstreamisierung des DIY ein wenig zu häufen, ich sehe das Ganze etwas gelassener und ihr dürft nun Teil haben an meinen gedanklichen Ausflüssen. Oft dreht sich der Kern der Diskussionen dann darum ob DIY noch cool ist, wenn auch der letzte Depp irgendwas mit eigener Hände Arbeit geschaffen hat. Selbstgemacht ist ja nicht unbedingt selbstgedacht und dann wird die These in den Raum geworfen, Anleitungen, How-to’s usw. würden die Kreativität beschneiden und so das Heer der willen-, namen- und gesichtlosen Masse von Konsummutanten vergrößern. So weit der aktuelle Stand der Diskussion in Klein Bloggistan, hier meine Entgegnung darauf.

Die Beobachtung, dass sich der ganze DIY kram mit zunehmender Verbreitung auch verwässert halte ich für zutreffend. In meinen Augen bringt es jedoch nichts sich darüber aufzuregen. Da schreien immer die, die um ihren Status als Mitglied der Gegenkultur fürchten, ihre kleine achsoindiepunkalternative Nische durch den globalen Raubtierkapitalismus bedroht sehen ( und sie haben auch noch recht dabei). Wenn man solche Entwicklungen etwas nüchterner und jenseits des eigenen Tellerrandes betrachtet, sollte auffallen, dass Gegenkulturen/eliten nie ihren Exotenstatus halten konnten. Der Mainstream wird immer wieder durch die Gegenkulturen befruchtet und er gebiert wiederum neue Subkulturen, die sich mit aller Macht gegen ihn wehren um dann doch wieder gefressen zu werden. Fazit: Locker bleiben, neue Nische suchen oder damit abfinden, dass die Masse den Vorsprung aufgeholt hat und zumindest glaubt auf Augenhöhe zu sein.
Soviel zur Solzialwissenschaftlichen Dimension des Problems;)

Nun zum Kreativitätsproblem, das man nicht völlig vom 1. Teil des Kommentars trennen kann. Die Kreativen glauben oft, Kreativität sei praktisch jedem in die Wiege gelegt und wer sich nicht kreativ austobe sei schlicht zu faul. Bis zu einem gewissen Grad mag das zutreffen, aber es scheint immer ein paar Leute zu geben, bei denen Kreativität über das normale, überlebensnotwendige Maß hinausgeht ( das sind dann vlt. die, die sich über die Herde aufregen;) ). Der Mehrzahl der Menschen scheint diesen Trieb, irgendwas neu oder anders zu machen, aber nicht zu besitzen ( über die Ursachen kann man sich an anderer Stelle/ im Anschluss streiten)

Damit kommen wir zu 2 unterschiedlichen Lesarten von How tos. Die einen, die Masse, macht das was sie immers schon getan hat. Sieht etwas ( Bedürfnis ist geweckt) das jemand anderes erschaffen hat und möchte es besitzen (konsumieren). Man geht also los und erwirbt was man sich wünscht, beim DIY-Krams bezahlt man halt nicht nur mit Geld sondern investiert auch Zeit. Das sollte aber nicht über die rein konsumierende Natur des Vorgangs hinwegtäuschen. In diesem Fall vorallendingen ein Versuch Gegenkultur zu konsumieren.
Kreative scheinen einen völlig anderen Weg zu gehen. Man liest howtos um nicht den ganzen Weg von vorne gehen zu müssen. Viele Dinge sind so komplex, dass eine komplett eigene Erarbeitung des Themas möglicherweise die gesamte Lebenszeit in Anspruch nehmen würde. Ein How-to erspart einem viel Forschungszeit. Man hat dabei jedoch weniger das Ergebnis der Anleitung im Hinterkopf als ein Kennenlernen des Arbeitsprozesses um diesen dann für eigene Projekte nutzbar zu machen. Es ist also das komplette Gegenteil des stringenten Verfolgens des vorgegeben Weges, schon auf Seite 1 fängt der kreative Kopf an zu rattern, sucht nach alternativen Anwendungszwecken oder Vorgehensweisen.
In meinen Augen ist das lesen oder verfassen einer Anleitung daher moralisch durchaus vertretbar, niemand ist gezwungen sich daran zu halten und der Kreative will es auch nicht. Dem Rest ist halt nich zu helfen … 😉

mfg
RBT

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9 Responses to “How-To’s = Kreativitätskiller?”


  1. Dezember 16, 2008 um 10:44 pm

    Hallo RBT,

    mit deinem Artikel sprichst du mir aus der Seele. Selbstgemacht ist nicht selbstgedacht. Ich sehe How-tos und Anleitungen nicht als strikte Verfahrensanweisung, sondern vielmehr als Ausgangspunkt um mein eigenes DIY Projekt schneller umzusetzen und mich von den Ideen anderer inspirieren zu lassen.

    Natürlich wird ein Großteil der Leser immer nur in der reinen „Konsumenten“-Rolle bleiben. Doch das müssen sie nicht dauerhaft bleiben. Vielleicht setzen sie die ersten how-tos zombiemäßig um. Vielleicht erreichen sie dann aber den Punkt, wo ihnen das sture Umsetzen nicht mehr ausreicht und sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

    Ich würde es mir zumindest häufiger wünschen ^_^

    Schöne Grüße

    Chris

    • 2 rbt
      Dezember 17, 2008 um 5:44 pm

      ah du sprichst da etwas interessantes an was mir in meinem Artikel ganz entgangen ist. Um selbst kreativ und gleichzeitig auch halbwegs produktiv tätig zu werden benötigt man Selbstsicherheit. In unserem Fall kommt eine Menge Selbstsicherheit aus dem Wissen um diverse Handwerkstechniken, die man ja nunmal braucht wenn man etwas mit eigener Hände Arbeit schaffen will.
      Wenn man über ein gewisses Maß an Vorkenntnissen verfügt, hat man zu seiner Idee auch gleich ein paar mögliche Lösungswege im Kopf und ist vermutlich weniger gehemmt sich dann auch mal an die Umsetzung zu machen (man weiß ja nun wies geht oder glaubt zumindest es zu wissen). Es handelt sich hier um eine schlichte und rationale Risikoabwägung, je mehr Informationen man zu einem Thema hat um so kleiner sollte das Risiko eines Verlusts (Material/Zeit) sein.
      Durch das abarbeiten vorgebener Arbeitschritte (aka how-to) ist man natürlich deutlich weniger kreativ unterwegs als wenn man ins blaue hinein arbeite würde, aber mit einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt ( und seis auch ein fremdes) wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. -> Das sollte dann zu einer allmählichen Emanzipation vom Gelernten führen ( eben weil man die Risiken eines Projekts besser einschätzen kann).

      Wenn man den Lernprozess mal ganz grundsätzlich betrachtet sollte einem auch klar werden, dass am Anfang immer die Kopie steht.

      Sollte sich ein/e Psychologe/In hierher verirren eine kleine Frage am Rande… : gibt es Untersuchungen zur Risikobereitschaft kreativer Menschen? Vieleicht sind alle Menschen ja ähnlich kreativ, aber weisen eine deutlich unterschiedliche Risikobereitschaft auf. Jeder Tripp in unbekannte Gefilde beinhaltet ja auch das Risiko des scheiterns…

  2. 3 criz
    Dezember 18, 2008 um 12:14 am

    hallo rbt,
    hab auf deinen artikel auf meiner seite reagiert…
    meine frage wäre nur an dich: wie kommst du überhaupt zu dem vorwurf how-to’s seien kreativitätskiller und diy würde zum mainstream werden? hast du ne quelle dazu oder ist das dein eindruck?
    greetz, criz

    • 4 rbt
      Dezember 18, 2008 um 1:09 pm

      es ging in 1. Linie um diesen text hier …

      http://blog.hannafaktur.de/2008/07/11/warum-mich-diy-nervt/

      der Text hier entspricht in weiten Teilen meinem Kommentar auf warum mich diy nervt. Hätte den Ursprungsartikel direkt verlinken sollen, aber hab den link irgendwie verdummbaselt und war dann zu faul den wieder raus zu suchen.
      Es ist auch nicht der erste Artikel dieser Art den ich irgendwo gelesen habe, das Thema kocht alle paar Monate mal wieder irgendwo hoch und diesmal wollt ich auch ma meinen Sermon dazugeben. Was wäre die Welt ohne Widerspruch.
      Ich selbst habe ja so garnicht dein Eindruck, dass how-tos Kreativitätskiller sidn, ich dachte das wäre klar geworden. War halt nur eine von mir etwas zugespitzte These, die dann auch gleich wieder im fairen Kampf der Argumente entsorgt werden sollte. Hat hoffentlich geklappt.

  3. Dezember 20, 2008 um 10:06 am

    Hi,

    habe die Diskussion hier und bei hannafaktur verfolgt und kann nur sagen WTF.

    Ich habe zum erstenmal gehört, dass DIY ein Kreativitätskiller sein soll. Ich denke das Gegenteil ist richtig. Ok, vielleicht gibt es Leute, die nur Schritt für Schritt befolgen, ohne zu verstehen, was sie da tun. Aber das finde ich voll ok. Immerhin machen sie es selbst. Und den meisten wird es doch so gehen, dass sie beim nachbauen viel lernen oder zu kreativen Lösungen greifen müssen, weil gerade Elektronikbauteil xy nicht am Start ist. Mich haben die ganzen HowTos auf Instructables und Make dazu gebracht, den Hintern hochzukriegen und zu denken, das kann ich auch.

    Und mainstreamig? Ok, es ist cool, coolen Subkultur-DIY-Sch**ss zu machen. Aber macht man dass um cool zu sein, oder weil es cool IST? Also, macht man es auch noch, wenn es mainstreamig geworden ist und auch dann noch wenn der Mainstream weitergezogen ist? Und mal ehrlich, es kommt einem vor, als wenn die Mülltrenner sich beschweren, dass jetzt alle den Müll trennen wollen.

    Und eins noch. Ich finde der Open-Source-Gedanke, der in vielen DIY-Projekten und HowTos steckt, darf nicht vergessen werden. Gerade im Elektronik/Hardware-Bereich tut sich da einiges wo Software inkl. Hardware offen angeboten wird. So kann man Wissen teilen. Finde ich super.

  4. 6 rbt
    Dezember 20, 2008 um 12:52 pm

    hi alex, schön das du den Weg hierher gefunden hast, auch wenn das Tinkerlog englischsprachig ist rechne ich dich mal zur deutschen Bloglandschaft…

    Aber ich finde das du das hier doch etwas hart verkürzt wiedergibst. DIY = kreativitätskiller war ja schon mal so garnicht ausgangspunkt der Überlegungen, sondern es ging darum das dies bei Anleitungen zu DIY Bsteleien eventuell so sein könnte. Der These wollte ich hier widersprechen. sehe das da eigentlich genauso wie criz oder du. Wissen nützt nix wenns nicht geteilt wird!
    Den copycats und Anleitungssklaven bin ich im Gegenzug aber auch nicht böse wenn sie sich erstmal auf dieser Ebene versuchen. Insgesamt wäre es natürlich wünschenswert wenn auch selbst gedacht wird, viele Köpfe beschleunigen den Fortschritt…

    die Mehrzahl der Leute, die auch nur irgendwo diymäßig unterwegs sind, werden das wohl machen weil sie einfach diesen Drang haben sich da auszutoben. Es gibt aber auch immer die Leute die die Nische eher wegen ihres Nischencharakters suchen und sich dann bis zur Halskrause einkacken wenns auf mal eng wird weil die Masse nachströmt. is für mich auch eher so achselzucken und gut.

    Aber man sollte mal drüber geredet haben, diskussionen schaden ja nich ^^

  5. Dezember 20, 2008 um 1:33 pm

    Stimmt, sollte DIY-Howtos heißen. Und war auch nicht gegen Dich persönlich gerichtet 😉

  6. 8 rbt
    Dezember 20, 2008 um 2:22 pm

    keene sorge hab ich auch net so aufgefasst.


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Selbermachen aus Prinzip, aus Spass oder einfach weil mans kann. Ganz grundsätzlich dreht sich hier alles rund um Elektrotechnik, Mechanik und wie man seine Basteleien hübsch verpackt (aka Design). Für die Naschkatzen gibts die Kategorie "Köstlichkeiten", selbstgemacht ist hier natürlich auch das Essen!

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