18
Aug
09

Ideendiebstahl….

Vor einiger Zeit erreichte mich mal eine E-Mail in der auf die Urheberechtsproblemtik im DIY-Bereich aufmerksam gemacht wurde. Die Mail ist leider in den tiefen des digitalen Nirvanas versunken, wenn die Autorin jener Zeilen hier mitliest möge sie mir bitte verzeihen.

Unabhängig von meiner eigenen Schlampigkeit ist das Thema im Allgemeinen eigentlich ein sehr interessantes und verdient die ein oder andere Zeile. Wenn ich mich noch recht erinnere wurde in der Mail gefragt wie ich dazu stehe wenn private oder kommerzielle Nutzer sich über meine Projekte hermachen und sich schamlos am Fundus meiner mehr oder weniger genialen Ideen bereichern (mal etwas überspitzt formuliert *räusper* ).

Um es kurz zu machen: Es ist mir relativ egal, bzw. zu einem gewissen Teil wünsche ich mir das sogar. Wenn ich damit nicht einverstanden gewesen wäre, hätte ich mich gehütet meine Basteleien ins Netz zu stellen. Es sollte jedem klar sein, dass das was einmal im Netz steht auch dort bleibt. Die lächerlichen Versuche ungeliebte Inhalte aus dem Netz zu klagen haben das nachhaltig unterstrichen. Mir war das auf jeden Fall vorher klar.

Nun zur Frage des „warum?“ und der Beantwortung der Frage, warum ich mich vor der Herde der Copycats relativ sicher fühle.

Ja, warum stellt man all sein spezielles Wissen ins Netz, wo man seine Verbreitung praktisch nicht kontrollieren kann und nichtmal für die Arbeit entlohnt wird die man hineinsteckt. Ein Worklog in einem Forum will gepflegt sein, ein Blog schreibt sich nicht von alleine, Recherchieren kostet Zeit und Nerven.

Zum einen ist es mit Sicherheit der Werbeeffekt. Mein Casemod „carbon-fever“ hatte am Ende deutlich über 100.000 clicks. Damit zieht man zwar keinen Werbedeal an Land, aber ein gewisser Bekanntheitsgrad erleichtert einem unter Umständen die Arbeit an zuküftigen Projekten. Nebenbei besteht auch immer die Hoffnung auf Folgeaufträge. Soviel zur kommerziellen Seite der Geschichte.

Zum anderen fühle zuminest ich mich auch ein wenig dem Netz verpflichtet. So wie ich es  für falsch halte beim filesharing nur zu leechen, also den Upload zu sperren, so halte ich es auch mit anderen Informationen. Den überwiegenden Teil meines Wissens zu den Dingen die ich hier auf dem Blog breittrete habe ich mir mehr oder weniger im Netz angeeignet und ihr könnt euch sicher sein, dass ich dafür keinen Cent bezahlt habe. Es muss also eine Menge Menschen dort draußen geben, die ihr Wissen ebenfalls völlig unentgeltlich anderen Interessierten zur Verfügung stellen, was für den „Anbieter“ immer  mit Arbeit verbunden ist. Dabei spielt es keine Rolle ob man in Foren aktiv ist oder lange Artikel auf seltsamen Blogs verfasst. Man arbeitet „unentgeltlich“. Der Lohn für diese Arbeit ist eben die freie Verfügbarkeit von Informationen, hier gilt eher das Prinzip der unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe im globalen Dorf. Mangels Rechtsanspruch muss man sich darauf verlassen, dass sich andere ähnlich altruistisch verhalten. Der Anteil der Leecher / Konsumenten wird zwar auch deutlich größer sein, als der der aktiven Schreiber, aber warum soll es digital besser sein als analog. Da muss jeder mit sich selbst ins Reine kommen, wieviel Egoist man denn  sein will.

Als dritten Punk könnte man noch eine gewisse ideologische Verblendung ausmachen ^^.  Ich würde mich schon als recht leidenschaftlichen DIYler bezeichnen. Es geht darum aus Prinzip etwas mit eigener Hände Arbeit zu schaffen. Sparen lässt sich damit bestimmt nicht, gegen eine stromlinienförmige industrielle Fertigungslinie kann man als Kleinsthersteller niemals anproduzieren. Ich freue mich daher einfach wenn auch andere mein Hobby teilen (wer ist schon gerne allein). So wie man auch in jedem Verein Mitgliedergewinnung groß geschrieben wird. Besser die Leute hängen hier herum als das sie in der Kirche auf Knien rutschen oder auf cdU-Kreisparteitagen ihre schlechte Laune im Bier versenken.

Schlussendlich ist es auch nur ein Hobby. Wenn ich damit Geld verdienen müsste würde es mich vieleicht nur wieder gar schröcklich nerven. Dann steht man wieder unter dem Bann von Kundenwünschen, Deadlines und Prokrastination. Gelegentliche Auftragsarbeiten würden diesen Hobbycharakter natürlich nicht gefährden😉.

Völlig egal ist mir die Sache mit den geklauten Ideen natürlich auch nicht. Die Tatsache, dass meine Projekte überwiegend analog sind macht die Sache aber deutlich einfacher. Nur was digital ist kann beliebig oft und einfach vervielfältigt werden. In der realen Welt müssen auch für die Kopie immer noch Ressourcen bereitgestellt werden. Damit ist schonmal eine relativ hohe Hürde aufgestellt. Wenn man erst investieren muss wird die Sache gleich wieder deutlich uninteressanter ( Klicken zählt nich, Festplatten kosten praktisch auch nichts mehr). Hinzu kommt noch das die meisten meine Projekte schon ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick und einen ordentlichen Maschinenpark erfordern. Gerade bei letzterem halte ich mich für relativ privilegiert.

Der Kreis derer, die dreist kopieren könnten, grenzt sich damit schonmal ziemlich ein. Nebenbei scheinen die, die hier Mitlesen auch alles zu wollen, aber ebend nicht einfach zu kopieren. DIY enthält ja auch immer einen erheblichen Hang zum Indiviualismus. Die Industrie wird auch nur bedingt Interesse an meinen Basteleien haben. Viele Dinge sind einfach nur auf meine Bedürfnisse zugeschnitten oder erfodern menschliche Arbeitskräfte (aka „Humankapital“) … was sich nicht automatisieren lässt oder in großen Stückzahlen produzieren lässt, ist uninteressant.

Der einzige Grund warum zumindest mein Content auf BJ noch nicht open source ist, liegt in meiner Trägheit. Bisher war ich einfach zu faul mich mal in die verschiedenen Lizenzmodelle einzulesen und zu schauen was sich hier anbieten würde. Wird vieleicht  auch irgendwann mal nachgeholt.

Der ganze Artikel war nun zugegebenermaßen eine ziemliche Nabelschau, aber wer sich für eine allgemeine Betrachtung des Themas interessiert, kann sich ja in die entsprechenden Gesetze vertiefen.

mfg

RBT

p.s.: die commentschlacht ist damit eröffnet😉


6 Responses to “Ideendiebstahl….”


  1. 1 fischbauch
    August 18, 2009 um 2:19 pm

    Deine Einstellung zu diesem Thema gefällt mir und ich teile sie. Gerade das Teilen von Wissen ist wichtig. So gibt es auch die Möglichkeit, dass sich Dinge kontinuierlich verbessern, ohne dass sie von reinen kommerziellen Zielen geleitet werden, sondern von tatsächlichen Bedürfnissen.

  2. August 19, 2009 um 9:01 am

    Hallo, schließe mich der Meinung von „fischbauch“ uneingeschränkt an.

  3. August 21, 2009 um 4:48 pm

    habs jetzt nicht vollständig gelesen. Aber im Grunde hast du genau die richtige einstellung. WIr möchten bei Kaltmacher noch ein Stück weiter gehen und viele Inhalte unter CC stellen. Wenn Dinge kopiert werden, dann ist das 1. Werbung und 2. sieht man das wir unsere sache gut machen. „Exclusive“ inhalte sind ein längst veraltetes Modell.
    Man muss nicht mehr Pingelich das Zitat recht einhalten, kann sich frei austoben und muss nur einen kleinen verweis setzen.

    Derzeit überlegen wir uns das Wikipedia Commens system auf kaltmacher zu portieren. Unter anderem sollen alle Artikel Foto´s frei verfügbar sein.

    liebe grüße
    David

  4. 4 rbt
    August 23, 2009 um 8:15 pm

    @ bauer … interessante und naheliegende idee, damit könntet ihr km wirklich ein alleinstllungsmerkmal verpassen !

  5. 5 Jan
    August 28, 2009 um 10:55 am

    Früher hab ich mich auch immer gefragt, wieso man so etwas macht, Inhalte freizugeben ohne etwas dafür zu verlangen – Bis ich Linux User wurde🙂

    Linux ist – genau wie jeder Blog, jedes Forum, jede Mailinglist, jede Arbeitsgemeinschaft – ein Geben und Nehmen. Es macht einfach Spaß anderen Leuten geholfen zu haben oder seine Projekte zur Schau zu stellen, man bekommt ja manchmal etwas zurück.

    Ich würde dir die GPL oder die CC(L) empfehlen, das sind die 2 besten Lizensen, die es gibt. Bei der GPL bist du nur verpflichtet, alle Baupläne offenzulegen, was manchmal recht nervig sein kann, vor allem wenn du schon so faul bist.. Ist allerdings auch Eigenerfahrung!

  6. 6 Casemodding voyeur :D
    August 30, 2009 um 7:50 pm

    Ich schaue mir z.B. andere Case-Mods an, weil mich das inspiriert. 1:1 kopieren ist für die meisten wohl kein Thema, schliesslich betreibt man modding um SEINE Vorstellungen umzusetzen. Aber gewisse Detaillösungen haben andere schon ausgearbeitet und helfen einem auf die Sprünge. Insofern lehren die veröffentlichten Casemods und Basteleien WIE etwas gehen könnte, liefern also das nötige Wissen auf dessen Basis man selbst aktiv werden kann.


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Selbermachen aus Prinzip, aus Spass oder einfach weil mans kann. Ganz grundsätzlich dreht sich hier alles rund um Elektrotechnik, Mechanik und wie man seine Basteleien hübsch verpackt (aka Design). Für die Naschkatzen gibts die Kategorie "Köstlichkeiten", selbstgemacht ist hier natürlich auch das Essen!

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