22
Mrz
10

Dackelschneider…

Aufmerksame Leser des Blogs werden vieleicht mitbekommen haben, dass mein bisheriger zuverlässiger und zweirädriger Begleiter seine Gene recht klar aus der MTB-Familie bezogen hat. Mit diesem Gerät war ich auch lange Zeit (~ 10 Jahre) sehr sehr zufrieden. Leider ist die Gegend hier flach wie ein Brett und jeder Wirtschaftsweg ist ordentlich geteert. Bis zum nächsten Wald, wo man zumindest mal durchs flache Gelände pflügen oder sich in kleinen Tagebauten austoben konnte, ist es nun auch zu weit.

Kurzum, so ein Geländerad ist hier nur schwer zu rechtfertigen. Es macht zwar auch im urbanen Umfeld Spass damit über Boardsteinkanten und Treppen zu fliegen, aber mit der Zeit hat sich mein Fahrstil doch deutlich verändert. Man wird mit dem Alter ja nicht unbedingt vernünftiger, aber der Fokus liegt doch zunehmend auf möglichst hohen Geschwindigkeiten und einer energieeffizienten Fortbewegung. Die logische Konsequenz lautet da natürlich Rennrad. Wie es das Leben als  Student mitbringt: Viel Geld hat man wenig. Wie die es die spaghettimonsterhafte Fügung so wollte, ein alter Stahlrenner hing noch irgendwo unter dem Dach und noch viel wichtiger, ich konnte ihn mitnehmen.

So sah das „gute“ Stück bei der Ankuft in meinem Keller aus …

Viel Geld hätte man für so ein Rad auch nicht mehr ausgeben dürfen, ohne sich lächerlich zu machen. Es handelt sich um ein Raleigh-Rennrad aus den späten 80er oder vieleicht noch frühen 90er Jahren. Der Rahmen ist aus Reynolds 501 Geröhr aka „Wasserrohr“ und die Muffen sind auch wenig spektakulär. Die Komponenten (Shimano Exage) deuten auch sehr stark auf ein Rad aus der Brot-und-Butter Klasse hin. Insgesamt war das Rad aber noch im Orginalzustand, nichtmal das Lenkerband ist mal getauscht worden.

In dem oben gezeigten Setup wurde es dann auch eine knappe Woche im Stadtverkehr bewegt. In dieser Zeit kristallisierten sich dann doch die ein oder anderen Nachteile am „Ist-Zustand“ heraus.

Größtes Problem war ohne Zweifel der vorhandene Rennlenker.  Mal abgesehen von den grausigen Handschmeichlern an den Bremsen, war es mir auch einfach zu gefährlich weiter mit  diesem Ding herumzukurven. Wenn man zügig an eine Kreuzung oder sonstige Gefahrenstelle heranfährt empfiehlt es sich dringendst die Finger an den Bremshebeln zu lassen. Bei diesem Lenker kommt man nicht umhin dann in Unterlenker-Position zu fahren, womit man vom Regen in der Traufe landet. Bremsen ist kein Problem, aber die Sicht miserabel. Wenn man den Verkehrsraum effektiv ausnutzen möchte und sich zwischen Autokolonnen durchschlängelt ist es manchmal ganz gut, das Erdmännchen zu machen – vorrausschauendes Fahren und so, ‚wissen scho.

Punkt zwei … Der Sattel. Die Form sieht nicht nur seltsam aus, es fährt sich darauf auch nicht besser. Gegen den Sattel lassen sich von meiner Seite keine rationalen Gründe anführen, er passt einfach net zu meinem Arsch. Punkt.

Letzter Punkt: Die Pedalen. Bisher waren hier irgendwelche alten Klickies verbaut. Ergonomisch ist ganz was anderes, wenn man keine Klickies unter die Schuhe schrauben möchte. Es sollte ein Alltagsrad werden, Schuhe mit Klötzchen drunter fallen also aus, Klickpedale damit auch.

Ein Besuch beim Radhändler des Vertrauens förderte diese gebrauchten Komponenten zu Tage. Ein alter flatbar MTB-Lenker mit einem 1″ Vorbau, 2 V-brakes und neue Verdrahtung. Insgesamt bin ich a wohl deutlich günstiger weggekommen als wenn ich da in der Bucht gefischt hätte. Zu den Bremsen sei noch gesagt, dass V-Brakehebel kein ideales Gegenstück zu Seitenzugzangen darstellen. Die Hebelwege scheinen da feine aber gewichtige Unterschiede aufzuweisen und es wird allgemein von einer Kombination beider Systeme abgeraten. Die Erfahrung der letzten Zeit hat das in sofern bestätigt, dass die Bremswirkung in der Tat leicht reduziert ist. In jedem Fall sit sie deutlich schlechter, als mit einem kompletten V-Brake Setup. Man gewöhnt sich mit der Zeit jedoch an die neuen Gegebenheiten, der Unterschied ist zwar spürbar, aber das Rad wird dadurch beleibe nicht unfahrbar.

Update: Das subjektiv schlechtere Bremsverhalten ist wohl auch maßgeblich auf die schmaleren (700×23) Reifen zurückzuführen. Die aktuelle Hebel und Zangenkomination packt so gut, dass das Hinterrad regelmäßig blockiert. Dank geringer Auflagefläche rutsch man trotzdem weiter als mit 1,9er Stolle.

Was nervt muss weg, das Rad wurde also erstmal teilweise nackig gemacht.

Der Sattel wurde durch dieses Modell hier ersetzt. Es müsste ein „Royal“ von San Marco sein. Der Sattel hat zwar auch schon einmal bessere Tage gesehen, aber für die Stadtschlampe muss es auch kein nagelneuer Brooks Titan sein. Die Leute mit den langen Fingern kennen sich da leider etwas zu gut aus. Echtleder ist auch dieser hier und mit etwas Lederfett sollte man zumindest verhindern können, dass die Risse noch größer werden. Hat auf dem Flohmarkt vieleicht 3€ gekostet, eher weniger.

Nun zum Lenker. So wie er mir zugeflogen ist, war er natürlich noch viel zu breit. Die Kürzungsmaßnahmen sollten hier aber noch einmal deutlich radikaler ausfallen, als beim Lenkprügel des MTB’s. Nach einem Abend mit kurzen Ausflügen in die Nachbarschaft war dann klar, was ein „idealer“ Kompromiss aus Agilität und Stabilität darstellt: 39cm Lenkerbreite. Die ermittelten Werte sind natürlich höchst subjektiv und da sollte jeder selbst mal etwas herumprobieren. Es hätte mit Sicherheit noch mehr gekürzt werden können, ohne unter normalen Bedingungen Fahrstabilität zu verlieren. Wenn man jedoch mal aus dem Sattel ging, fiel es schwer die Trittbewegung mit dem kurzen Hebel zu kontern. Noch kürzer macht in meinen Augen auch wenig Sinn, irgendwann limitieren ja auch die schmalsten Schultern😉

Der Bock im Rohzustand. Die Mängelkarte ist noch nicht vollständig abgearbeitet, aber das Rad ist grundsätzlich gesehen wieder fahrbereit.

Als Beleuchtung sind alte Lampen von Cateye vorgesehen. Dem Rücklicht fehlt leider die Schelle für die Montage an der Sattelstütze. Unter dem Sattel ist jedoch noch Platz und ein Alublech kann recht problemlos befestigt werden. Der Renner muss ja auch nicht unbedingt noch hässlicher werden als er ohnehin schon ist. Ursprünglich konnte das Licht einmal geklickt werden, jetzt muss man schrauben. Praktisch ist das zwar nicht, LED sei Dank muss man jedoch nur alle paar Wochen einmal den Schraubendreher bemühen.

Das wars für Heute, um Griffe und andere Pedalen kümmer ich mich ein andermal.

Zum Abschluss noch mein  neuer Blick auf die Welt…

mfg

RBT

Zeit: Ein Nachmittag

Geld: ~20€


6 Responses to “Dackelschneider…”


  1. März 25, 2010 um 2:56 pm

    mmhhhh, wär mir viel zu kurz der lenker oO. En Fahrrad kolege hatte mal so nen mini lenker an seinem MTB und ist damit sogar singletrails gefahren… aber der hatte auch ordentlich kraft in den Ärmen.

  2. 2 rbt
    April 2, 2010 um 11:03 pm

    ja wie im artikel erklärt, auf der straße sind die AUF den lenker einwirkenden kräfte ja eher gring. die schlimmsten bodenwellen stellt das kopfsteinpflaster …
    mit nem schmalen lenker wuselt man sich aber easy durch die autokollonnen und kann einfach richtig fix reagieren.

    ins gelände würd ich damit aber auf keinen fall gehen ..

  3. 3 Mike
    Mai 22, 2010 um 9:22 pm

    Je nachdem welche Konstruktion da in der Kassette verbaut ist könnte mensch das Ding auch noch als Singlespeed fahren. Im urbanen Flachland eine Alternative. Von den Ausfallenden her scheint es ohne Spanner zu gehen.

    Nebenbei danke für Deine Tutorials bezüglich GFK. Besonders Formenbau…

  4. 4 rbt
    Mai 22, 2010 um 9:52 pm

    ja ich schwanke zur Zeit noch. faktisch fahre ich mit nur einer übersetzung. ne rahmenschaltung ist im Stadtverkehr einfach sehr unpraktisch.

    manchmal, gerade auch auf längeren touren oder im mittelgebirge möchte ich die schalte nicht missen. da fehlt auch etwas das geld für ein drittes rad nur für touren.

    die ausfaller wären auf jeden fall geeignet, ginge auch fixed (passende nabe und kurbelarme wären vorhanden). spätestens wenn noch mehr speichen brechen wird es eh zeit über nen neuen laufradsatz nachzudenken und dann umzubauen. die felgen haben auch schon einiges mitgemacht (schläge, bremsflanken). Für den Stadtverkehr ists wohl eh sinnvoller langfristig auf etwas ala rigida dp 18 auszuweichen.

    dringender ist aber erstmal ein neuer Vorbau. mit dem aktuellen hängt man einfach etwas zu hoch am Wind. irgendwann steht dann auch einmal ein neuer Rahmen an, dieser hier hat 58 oder 59cm Mitte Mitte. Bei gerade bei nem Rad mit Flatbar wäre irgendwas im Bereich 52-55 cm angesagt. bin ja nu auch kein riese.

    bzgl. der tuts … keine ursache. schon pläne das gelernte irgendwo umzusetzen ?

    • 5 Mike
      Mai 24, 2010 um 1:35 pm

      Moin,

      Zu Tuts: Höckerbau für ein Motorrad. Vielleicht irgendwann mal ein passendes Schutzblech für mein SanAndreas… (Das Rad findest Du auf meiner uralt-Seite, und die URL bekommst Du aus meiner mailadresse)
      Da gab es mal was für die Specialized-Fullys, was die Linie des Rahmens so schön nach hinten fortführte. Sowas wäre fein. Aber das hat Zeit.

      Momentan ist die Urform aus ganz normalem (Maurer)Gips am werden, aber ich bin am grübeln ob ich nicht nochmal alles neu mache. In Holz oder Schaum geht es wohl schneller und besser. Es fehlt noch fertigschleifen, feinspachteln, lackieren und so weiter…

      Zum Dackelschneider: Apropos Felgen für den neuen Radsatz. Es gibt relativ günstig über Hartje von Rodi die Felge „Stylus“. Hochschulter mit 13mm Maulweite. Bestellnummer 0.349.432/5 (=32Loch) oder 0.349.430/9 (=36 Loch). VK 15,95 laut Katalog von 2009. Fahre sie selber und bin zufrieden damit.
      Obwohl ich vom MTB komme bin ich mit Rennlenkern auf Reiserad und Single sehr zufrieden. Ich kann übrigens in der Bremsgriffposition gut bremsen! Vielleicht abhängig von den Zügen und den Bremsklötzen?!

  5. 6 rbt
    Juni 2, 2010 um 8:23 am

    hi mike,

    ja schutzbleche fürs Fully und Höcker fürs bike sind auf jeden fall gute einsteigerprojekte.
    In meinen Augen ist die kombination aus Schaum, Glasfaser und Spachtelmasse die schnellste möglichkeit eine gute form zu bauen. die sollte dann auch mehrere entformungen aushalten.

    wenn du dann blut geleckt hast, bleiben noch voll und teilverkleidungen für die Lieger😉

    danke für den tip auch mit den stylus felgen. die sind echt nen schnäppchen.

    was mich am rennlenker gestört hat, war nicht die position zum bremsen, sondern wann ich die einnehmen musste😉. sprich immer wenn es unübersichtlich und gefährlich wurde, ging auch der kopf nach unten. ich bevorzuge im straßenverkehr aber eher das „Erdmännchen“ als den „Vogel Strauss“.
    technisch gesehen war soweit auch alles in ordnung.


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