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Aug
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Reparatur eines Xerox LCD xa7-19i Monitors

2nd edition

Um die glänzend schwarze Optik meines carbon-fever case mods rund zu machen kaufte ich vor vielen Jahren einen eben so hochglänzend schwarzen LCD-Monitor der Firma Xerox im Angebot eines Discounters. Ich zahlte mittelkleines Geld für eine durchaus taugliche Pixelschleuder und erfreute mich eine geraume Weile an tadelloser Funktion. Die Freude hielt knappe 5 Jahre, bis mein treuer Begleiter beschloss nach 2 tägigem flackerndem Todeskampf engültig den Sendebetrieb einzustellen und nichtmal mehr ein Testbild abzusondern.

Als notorisch misstrauischer Mensch fütterte ich schnellstmöglich meine allwissende Tante G. mit der exakten Bezeichnung und – oh Wunder – mein Misstrauen war begründet.

Der entsprechenden Serie eilte der Ruf vorraus häufig bereits innerhalb der Garantiezeit den Dienst unter Berufung auf ähnliche Symptome zu quittieren. Als Ursache wurden bei genauerer Befragung überwiegend – (nochmal) oh Wunder – defekte Kondis identifiziert. Die Seuche der modernen Unterhaltungsindustrie (aka „bad caps“) hatte also auch mich erreicht.

Solche Versuche sich in den unverdienten Vorruhestand davonzumachen betrachte ich aber als Leistungserschleichung und werden mit amtstypischer Humorlosigkeit betrachtet. Antrag abgelehnt, rauf auf die Liege, danach wieder zurück an die Arbeit!

Im OP: Eine exakte Diagnose war leider nur mit invasiven Methoden möglich. Die Glasfront ist nur mit 2 Schrauben gesichert (zugänglich auf der Rückseite). Sind die einmal gelöst, müssen Front und Gehäuse sachte gegeneinander verschoben werden und man kann sich den Innereien widmen. Hier das Panel.

Die Steuerelektronik verbirgt sich unter dem Panel und unter einer gesonderten Blechabdeckung. Die Datenleitung zum Panel ist hier bereits entfernt, die Stromverbindung zum Backlight ist als nächstes dran. Alles gängige Steckverbinder.

Unter dem Deckel dann folgendes Bild: Links das Netzteil, rechts das Steuergerümpel für das Panel. Die kleinen Elkos auf der rechten Seite sehen noch recht frisch aus, aber die Bestückung des NTs ist recht scheu. Bei Xerox versteht man sich darauf den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten.

Tante G. hatte recht. Da machen ein paar Niedervoltbecher dicke Backen (vermutlich das Backlight). Es sind nicht nur die beiden traurigen Gestalten im Vordergrund, sondern auch das Grüppchen da im Hintergrund, hinter dem Kühlblech.

Ein Elektronikversender aus dem Landkreis Jever wusste Rat und hat mich 48h nach Zahlunseingang mit einer Ersatzteillieferung beglückt. An dieser Stelle ein kleiner Tipp am Rande: IMMER brav nachmessen welch Rastermaß und Abmessungen der Chinalöter da aufs Board gebraten hat. Ich war leider zu faul alle Kondis nachzumessen und konnte aus Platzgründen nicht alle Kondis tauschen. Mal schauen wann die nächsten faulen Eier platzen.

Gelötet wurde dann mit der bewährten 32W Lötstation von Ersa. Ich habs erst im Schongang mit 320° C probiert, aber davon war das Lötzinn nur mäßig beeindruckt. Erst bei 450° ließen sich die Lötpunkte schneller erhitzen, als sie die zugeführte Energie an die reichlich vorhandenen Masseflächen abgeben konnten. Die dicken tropfen Lötzinn waren ebenfalls Tribut an eine satte Kupferkaschierung und zeugen NICHT von kalten Lötstellen.

Zum Abschluss noch ein Wort der Warnung. Man hantiert hier unter Umständen mit Elektrik weit außerhalb des Bereichs der „Schutzkleinspannung“. Wer keine Ahnung hat was er da tut, sollte diese Art der Reperatur dem Fachmann überlassen. Wer sich von der Chance auf ein potentiell vorzeitiges Ableben nicht abschrecken lässt, sollte zumindest vor dem Berühren irgendwelcher Platinen prüfen ob die Kondis an Board alle entladen sind. An Kondensatoren in Netzteilen können auch lange nach ziehen des Gerätesteckers noch ~ 400V anliegen.

Fazit: Mit ca. 5€ Einsatz für einen neuen Satz Kondis bekommt man in 1h Arbeitszeit einen alten Moni wieder flott. Der eingesparte Elektronikschrott wird vermutlich direkt dem Karmakonto gutgeschrieben.

Schönen Gruß nach China an dieser Stelle … dodge this!


3 Responses to “Reparatur eines Xerox LCD xa7-19i Monitors”


  1. 1 Anonymos
    September 23, 2012 um 5:01 pm

    Wie war das noch mit Eurem Vorurteil ??? Opa kann auch nichts wegwerfen, aber trotzdem; gratuliere !!!!

  2. Februar 25, 2013 um 12:23 pm

    Wo hast du denn die Kondensatoren genau gekauft?


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